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iPhone4 Test

Michael war am 30. Juli einer der ersten, der ein iPhone4 in den Händen hielt. Nach 3 Wochen ausgiebigem Testen möchte er Euch seine Erfahrungen nicht vorenthalten und verfasste einen Testbericht:

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Verpackungsinhalt

Das neue iPhone kommt wie bereits von früher gewohnt in einer kleinen Schachtel, in der neben dem iPhone auch ein USB-Strom-Adapter (endlich braucht dieser nicht mehr so viel Platz wie die alten Adapter), Kopfhörer und ein Verbindungskabel sowie eine kleine Anleitung enthalten sind. Für mein iPhone4 mit 32GB habe ich mit einem Zweijahresvertrag 399 Fr. bezahlt (x-tra liberty mezzo, 45 Fr./Monat bei Swisscom). Das ist nicht geschenkt, aber für Bauchentscheidungen liegt auch mal ein bisschen mehr Geld drin als bei sonstigen Ausgaben. Bei mir kam dazu, dass mir mein vorheriges 3G runterfiel und das Glas splitterte (und ich es trotzdem noch gewinnbringend verkaufen konnte!).

Design

Am neuen Design fällt zuerst das Weglassen von Rundungen zwischen Vorder- und Rückseite auf. Ersetzt werden sie durch Kanten und eine durchgehende ebene Oberfläche, die um das Gerät herumführt. Die Form an sich besitzt aber weiterhin abgerundete Ecken. Mir persönlich gefällt der Look besser als jener der bisherigen iPhones, zumal er dem Gerät einen Business-Touch verleiht, den die Vorgänger noch nicht in dem Masse versprühten. Vorne fällt vor allem die neue Frontkamera auf, welche sich direkt neben der Hörmuschel befindet. Der Bildschirm blieb in seinen Ausmassen gleich wie früher, doch die gesamte Vorderfläche ist grösser geworden, alte Schutzfolien werden also nicht mehr passen. Da jetzt auf der Hinterseite auch Glas statt Plastik verbaut ist, rate ich dringend zum Kauf einer Schutzhülle. Mit der „Case“-App kann man sich eine gratis bestellen, doch bei Lieferfristen von 5 – 8 Wochen lohnt es sich, vorher selbst eine zu kaufen und dann zwischen den beiden zu wechseln. Ich habe mir eine durchsichtige Hülle gekauft und eine aus Silikon bestellt.

Auf der Rückseite erstrahlt das Apple-Logo in voller Pracht, daneben die neue 5MPixel-Kamera sowie ein LED-Licht. Ich möchte nochmals betonen, wie viel hochwertiger und edler das iPhone4 durch dieses Redesign wirkt. Eindeutig das schönste Apple-Produkt, wenn nicht sogar das schönste Smartphone überhaupt!

Was auch mit dem Design zu tun hat, ist das enorm gehypte Antennenproblem. Wir haben versucht, das nachzustellen, aber selbst ohne Schutzhülle und bei vollständiger (!) Bedeckung des Rahmens verschlechterte sich nichts an der Gesprächsqualität. Das Problem scheint von der schlechten A&T-Netzversorgung verursacht, weshalb wir uns in der Schweiz darüber absolut keine Sorgen machen müssen.

Neuerungen

Viele Dinge wie der Home-Button sind bereits bekannt und deshalb möchte ich hier die Änderungen genauer beschreiben, die im Vergleich zum 3G(S) vorgenommen wurden:

· Retina-Display: Das neue Display besitzt eine vier Mal so grosse Auflösung wie früher. Die Auflösung liegt fast auf der Höhe der PAL-Norm, und das bei einem 3 Zoll-Bildschirm! Schriften und Bilder erscheinen gestochen scharf und auch bei der höchsten Zoomstufe ist es unmöglich, Pixel zu erkennen. Vor allem Apps, die für das neue Display angepasst wurden, sind in bisher ungekannter Klarheit zu sehen. Obwohl auch der früher verbaute Bildschirm gut war, erlebt man hier sozusagen eine Neudefinition von Schärfe auf mobilen Geräten!

· 5MPixel-Kamera: Die Kamera macht gute Bilder und taugt dank der deutlich schnelleren Auslösezeit auch als Digicam-Ersatz bei guten Bedingungen. Man kann damit natürlich nach wie vor nicht in dunklen Bereichen oder über weite Distanzen fotografieren, aber für einen schnellen Schnappschuss in der Nähe reicht es sicher. Jene Fotos sind auch am PC und als Ausdruck scharf. Der LED-Blitz ist mehr ein Gimmick, da er nicht mit einem richtigen Blitz vergleichbar ist. Meines Erachtens der einzig sinnvolle Einsatz davon wäre als Taschenlampen-Ersatz, aber Apple hat bisher meines Wissens noch keine Schnittstelle für den Zugriff auf den LED-Blitz eingebaut.

· Facetime: Das ist die neue „alles verändernde“ (Steve Jobs) Videotelefoniemöglichkeit. Im gesetzten Fall, dass beide iPhone4-Besitzer sich in einem WLAN-Netzwerk befinden, können sie sich anrufen und das Bild des Gegenübers auf ihrem Display sehen. Man kann dabei auch umschalten, ob man das Bild der Front- oder Rückkamera dem Gesprächspartner zeigen möchte.

Bei einem ersten Test klappte es erst nach unzähligen Verbindungsversuchen und auch dann nur ruckelig (woran aber wahrscheinlich das WLAN schuld war). Die Idee ist zwar an sich gut, aber solange man es nur in den eigenen vier Wänden oder per öffentlichem WLAN benutzen kann, wird es keine weitgehende Verbreitung von Videotelefonie geben. Viele Eindrücke, die man einem Gesprächspartner zeigen möchte, finden nämlich nicht zuhause statt (ausser vielleicht ein Kindergeburtstag, wie die Apple-Werbung zeigt). Ein grosser Nachteil ist auch, dass Apple (nicht zum ersten Mal) einen eigenen Weg mit FaceTime fährt, anstatt eine zu anderen Handys kompatible Funktion einzubauen.

Meines Erachtens ist die Funktion schlussendlich nicht mehr als ein Gimmick. Es macht Spass, zur Abwechslung so zu telefonieren, aber die meisten Menschen wären auch ohne ausgekommen. Es ist mehr ein Mitmachen beim gegenwärtigen Trend, als eine gut durchdachte Neuerung.

· Multitasking: Eine Funktion der iPhone-Software 4.0. Multitasking ist eine gute Sache, da es trotz vieler geöffneter Apps die Batterielaufzeit nicht auffallend verschlechtert. Der grosse Vorteil ist, dass die Programme viel schneller starten und zwischen ihnen schnell gewechselt werden kann, ohne mühsamen Umweg über den Homescreen. Leider unterstützen noch nicht alle Apps Multitasking. Diese werden dann, obwohl sie im Hintergrund laufen, bei jedem Aufruf neu gestartet! Auf jeden Fall ein praktisches Feature, auch wenn man z.B. schnell mal zwischen Kalender und Mail hin- und herschalten will. Auch eine im Hintergrund laufende Skype-App ist praktisch, da man so immer erreichbar ist, aber trotzdem andere Dinge auf seinem iPhone tun kann.

· HD-Video-Aufnahme: Die Videos haben eine ansehnliche Qualität und sind nicht mit billigen Handykameras zu vergleichen. Sie können direkt auf dem iPhone mit dem neuen iMovies geschnitten werden (das Programm kostet leider 5.50 Fr., der Test folgt später). Ob es wirklich sinnvoll ist, mit einer solch kleinen Kamera HD-Videos zu machen, wage ich zu bezweifeln, aber nichtsdestotrotz sind sie sehr detailreich und nur selten sind Störungen wie Artefakte oder ruckelnde Bewegungsabläufe zu beobachten.

· iBooks: Eine weitere Software-Neuerung, welche auf dem iPhone4 aber deutlich mehr als auf den alten Geräten bringt. Hier wird nämlich lesen dank des Retina-Displays wirklich zum Vergnügen, da die Texte wie gedruckt erscheinen. Natürlich wird niemand Lust haben, eine ganze Zeitung darauf zu lesen, doch PDFs und andere Ebooks können so sehr einfach transportiert werden. Zum schweizerischen Bookstore kann man nicht viel Positives sagen, da nur urheberrechtsfreie (also +75 Jahre) Werke verfügbar sind, aber keine kaufbaren neueren Büchern. Ich finde schade, dass Apple Europa hierbei so miserabel behandelt!

· Schnellerer Prozessor: Im iPhone4 werkelt der gleiche Prozessor wie im iPad. Die Geschwindigkeit ist atemberaubend, es gibt nahezu keine Wartezeiten bei den vorinstallierten Apps. Jene von Drittentwicklern starten auch deutlich schneller, aber das ist halt wie immer auch vom Programmierer abhängig. Im Vergleich dazu fühlt sich ein 3G wirklich uralt an. Ich habe meines in den letzten Tagen noch ein paar Mal genutzt und es kam mir auf einmal unheimlich langsam vor!

Fazit

Das Fazit fällt mir leicht: Es gibt eine deutliche Kaufempfehlung für das iPhone4. Die Neuerungen sind (mit Ausnahme von FaceTime) gut überlegt und umgesetzt, das Design ansprechend modernisiert worden. Auch das iOS4-Betriebssystem kommt hier am besten zur Geltung, wohingegen es alte Geräte eher ausbremst. Der neue Bildschirm kann absolut überzeugen und viele Leute waren erstaunt über seine Schärfe, die kein anderes bis anhin erhältliches Smartphone erreichen kann. Apple ist also seinen Konkurrenten wieder einmal voraus. Für einen 3G-Besitzer gilt die Kaufempfehlung uneingeschränkt, bei einem 3GS muss man genauer abwägen, ob es sich lohnt, da viele Veränderungen beim 3GS auch schon zur Hälfte enthalten sind (guter Prozessor, grosse HDD, 3MP-Kamera).

Nachteile zu finden ist schwierig, jedoch gibt es zwei, welche für alle iPhones gelten: Der deutsche Book-Store ist noch nicht mit Titeln befüllt und das harte Regime von Apple bezüglich der Programme im App Store ist immer noch sehr willkürlich. Jedoch gab es einen grossen Durchbruch im Jailbreak-Sektor, welcher ein sehr einfaches Hacken des Geräts erlaubt (bis und mit Firmware 4.0.1). Damit würde sich natürlich der Kritikpunkt mit dem strikten Regime erledigen, doch Jailbreaks sind wegen der Risiken ja nicht jedermanns Sache.

Dass FaceTime nicht das Gelbe vom Ei ist (wie es uns Apple klarmachen will), ist mittlerweile wahrscheinlich auch jedem Leser klargeworden. Für ein Spässchen zwischendurch zu gebrauchen, ist die Funktion im Grossen und Ganzen gesehen, nicht wirklich notwendig für das tägliche Leben. Ganz im Gegensatz zum iPhone selber
😉

Für iphone-blog.ch : Michael Toscanelli

iPhoneBlog

9 Kommentare

  • Danke für den guten und informativen Bericht! Sehe mich in meinem Kaufentscheid für das iPhone 4 ebenfalls bestätigt, die erwähnten Änderungen kann ich nur bestätigen.

    LED-Blitz: Ich benutze dazu die App „LED Light for iPhone 4 Free“. Funktioniert bestens und ist gratis. Wobei es natürlich angenehmer wäre, nicht erst eine App suchen und starten zu müssen, sondern bspw. eine Tastenkombination verwenden könnte.

    Preis Swisscom: Bist du Neukunde bei der Swisscom, oder hast du dir mit dem Prepaid-Trick geholfen? Ich habe mir auch zuerst bei der SC ein iPhone reservieren lassen, dann war mir allerdings die Wartezeit von 4-6 Wochen zu lang und der Preis (als langjähriger Kunde) mit 619.- (32 GB, gleiches Abo für 45.- über zwei Jahre) zu hoch. Daher direkt bei Apple das 16 GB gekauft, für immer noch etwa 450.-

  • @Remo: Danke 🙂
    @piper89:

    Danke für den Hinweis, ich wusste nicht, dass Apps direkt auf die Lampe zugreifen dürfte, habe vermutet, dass es nur per Kamera-Schnittstelle geht (welche ja bekanntermassen kein andauerndes Licht ermöglicht).
    Jetzt hat die LED-Lampe nun doch einen Sinn, weil sie bei Fotos ja nicht wirklich was taugt…

    Ich hatte eine Prepaid-Karte, konnte also den Vertrag mit einem Neukunden-Preis abschliessen. Es ist schade, dass man scheinbar neuerdings alle zwei Jahre den Provider wechseln muss um noch gute Tarife bei Vertragsabschluss zu erhalten. Das kann doch nicht Sinn der Sache sein
    :-S

  • SO VIELL ICH WEISS KANN MAN FACETIME MIT DEM GEHACKTEN IPHONE AUCH OHNE WLAN NUTZEN. (BIN MIR ABER NICHT 100% SICHER!).
    ALS ICH MEIN CASE-APP AUF MEIN NEUES IPHONE 4 GEZOGEN HABE BESTELLTE ICH EIN CASE DAS 6-8 WOCHEN LIEFERFRIST HATTE, DAS LUSTIGE IST ICH HATTE ES NACH NICHT EIN MAL 2 WOCHEN IM BRIEFKASTEN! 🙂

  • antennenproblem nicht vorhanden sofern sehr gutes netz vorhanden ist. Wenn die Netzbedeckung schlechter ist (abgelegene Orte), dann sieht man durchaus einen Unterschied, wenn man es unten links hält.

    mfg

  • Und ja, Antennenproblem teilw. vorhanden. zB mitten im Bahnhof Bern kein Netz gehabt, nach Neustart wieder volles Netz. Wird momentan dokumentiert von mir.

  • ich konnte gestern ohne Probleme mehrmals hintereinander in der Schule(Zürich City) das Antennagate produzieren.Von 5 Balken auf 1 bzw gar keinen und wieder zurück
    Das das in der Schweiz nicht vorhanden ist, stimmt also nicht. Wenn ich es auch als nicht so tragisch ansehe…

  • Pingback: schweizweit.net | Wochenrückblick

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